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Prof. Dr. Gerd Gigerenzer
Professor Gerd Gigerenzer ist Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin. Er trainiert Manager, Ärzte und Richter in Deutschland und den USA in der Kunst des Entscheidens und im Umgang mit Risiken und Unsicherheiten.
Er war zuvor Professor an der University of Chicago und Direktor am Max-Planck-Institut für Psychologische Forschung, München.
Der breiten Öffentlichkeit ist Gigerenzer mit seinem Buch „Bauchentscheidungen bekannt geworden. Gigerenzer verdeutlicht seine zentrale Arbeitsweise gern an Beispielen: Unternehmensberater und Ratgeber-Autoren propagieren unentwegt, wir müssten bei Entscheidungsfindungen möglichst analytisch vorgehen, Vor- und Nachteile auflisten und genau gegeneinander abwägen. Der Ansatz sei logisch, aber er setze voraus, dass die menschliche Intelligenz wie eine Rechenmaschine funktioniert. Für ihn, sagt Gigerenzer, sei die Logik nur eines von vielen Werkzeugen der Intelligenz. In sehr viel mehr Fällen stützten wir uns auf Bauchgefühle – wir entscheiden intuitiv.
Alles begann mit einem Experiment, das Gigerenzers Forschungsgruppe vor knapp zehn Jahren mit Studenten der New York University durchführte. Das wirklich verblüffende Resultat seiner jahrelangen Forschungen ist, dass die Trefferquote für Vorhersagen durch das Weglassen von Informationen verbessert werden kann. Das Paradoxon erklärt sich dadurch, dass längst nicht alle Informationen für die Zukunft relevant sind. Die Kunst der guten Vorhersage besteht darin, die entscheidenden Daten heranzuziehen und den großen Rest wegzulassen. Es ist genau diese Strategie, die von Take the best verkörpert wird.
Dass uns diese Vorstellung zunächst Mühe macht, sagt Gigerenzer, liege daran, dass wir alle das vermeintliche Ideal des Maximierers im Kopf haben: «Mehr Information ist immer besser. Mehr Zeit ist immer besser. Mehr Optionen sind immer besser. Mehr Berechnungen sind immer besser. Dieses Schema steckt tief in uns drin, aber es ist falsch! Was uns als Forscher interessiert, ist: Wann ist ‹mehr› besser, und wann ist ‹weniger› besser?»
In allen Fällen gilt: Wir entscheiden dann besonders gut, wenn wir nicht darüber nachdenken. Wenn der Baseballer zu schätzen beginnt, wo der Ball landen könnte, hat er ihn wahrscheinlich schon verpasst. Bei Handballern und Schachspielern ist die erste Idee für einen Spielzug nachweislich meist die beste. Experimente haben gezeigt, dass beim Golfspiel und selbst bei der Wohnungswahl die Resultate besser werden, wenn man die Zeit beschränkt und somit ein intuitives Vorgehen erzwingt.
Gigerenzer ist Mitglied der Deutschen Akademie der Wissenschaften (Leopoldina) sowie der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Ehrendoktor der Universität Basel, Honorarprofessor an der Freien Universität Berlin und der Humboldt Universität Berlin, John
M. Olin Distinguished Visiting Professor an der School of Law der Universität von Virginia und Batten Fellow an der Darden Business School der Universität von Virginia. Er war Fellow am Center for Advanced Studies in Stanford, Gastprofessor an der Queen’s University, Kanada, und Gastwissenschaftler an der Harvard University und der Princeton University.
Gerd Gigerenzer hat den Preis der Association of American Publishers für das beste Buch in den Sozial- und Verhaltenswissenschaften und den Preis der American Association for the Advancement of Science (AAAS) für den besten Zeitschriftenartikel in den Verhaltenswissenschaften erhalten. Zu seinen Büchern gehören Simple Heuristics that Make Us Smart, Rationality for Mortals und Bounded Rationality (mit R. Selten, Nobelpreisträger der Ökonomie). Seine populären Bücher Das Einmaleins der Skepsis und Bauchentscheidungen: Die Intelligenz des Unbewussten wurden in 18 Sprachen übersetzt, für den Royal Society Prize for Science Books nominiert, in Deutschland zum Wissenschaftsbuch des Jahres gewählt und in der Schweiz mit dem Wirtschaftsbuchpreis ausgezeichnet.
Veröffentlichungen (Auszug):
Rationality for mortals: How people cope with uncertainty 2008
Investment decisions: From Homo oeconomicus to Homo heuristicus 2008
Bauchentscheidungen. Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition 2007
Das Einmaleins der Skepsis. Über den richtigen Umgang mit Zahlen und Risiken 2002
Models of Ecological Rationality: The Recognition Heuristic 2002
Bild: Copyright Gert Gigerenzer
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