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24Nov

Ranga Yogeshwar im Gespräch mit Hajo Schumacher

In unserem virtuellen Gespräch spricht Ranga Yogeshwar, einer von Deutschlands führenden Wissenschaftsjournalisten, mit Moderator Hajo Schumacher unter anderem darüber, welche Schwächen im System die Corona-Krise offenbart.

Welche Impfstoffe stehen zur Verfügung und wie wirken sie? Wie lange wird die Corona-Krise noch unseren Alltag bestimmen? Und ist der chinesische Weg zum Kampf gegen die Pandemie der richtige?

Ranga Yogeshwar beeindruckt in LSB Insights nicht nur mit seinem umfassenden Wissen, sondern aiuch mit seinem technisch ausgefeilten Studio. 

Hajo Schumacher: Einen wunderschönen guten Morgen allerseits. Ich heiße Sie ganz herzlichen willkommen, insbesondere Ranga Yogeshwar. Ich muss dazu jetzt allerdings so eine Art „legal disclaimer“ loswerden, weil Herr Yogeshwar ist für mich der Ranga. Wir kennen uns schon eine ganze Weile. Ich verrate, glaube ich, nicht zu viel, wenn ich verrate, wir schätzen uns. Ich ihn auf jeden Fall. Er ist für mich eine Art Lehrmeister, denn da wo Sie ihn jetzt gerade sehen, in Hennef – für alle, die nicht wissen, wo das genau ist, das ist im Großraum Köln, so Bonn, Siegburg, die Ecke. Ranga Yogeshwar hat sich privat in seinem Haus ein Studio eingerichtet in der Corona-Pandemie-Zeit von dem aus er vollständig sendefähig ist, in höchster Qualität. Ich war da schon zwei Mal zum Spionieren, würde ich sagen. Leider ist Ranga als Physiker so weit weg, was seine technische Fähigkeit und Begeisterung angehen. Lieber Ranga, warum, sorry, auf deine alten Tage, haust du dir nochmal so ein technisches Wunderwerk zu Hause ins Büro.

 

Ranga Yogeshwar: Guten Morgen auch von meiner Seite in die Runde. Ja, warum mache ich das. Was ist sozusagen das Incentive ein Studio zu haben, das vollautomatisch läuft? Sehr einfach: Der Wandel. Es ist so, ich meine, wir sind hier bei London Speaker Bureau. Hajo, du kennst das selber, viele Veranstaltungen, Präsenz-Veranstaltungen, sind entfallen. Es ist im Grunde genommen, was ich die ganzen letzten Jahre sehr intensiv gemacht habe, auch sehr freudig, auch mit dieser Agentur. Und dann gibt es zwei Alternativen: Die eine ist heulen und sagen, wie schreckliche die Welt ist. Und die andere, das ist eher so mein Approach ist, die Chance in der Krise zu sehen und zu fragen: Hey, was geht da? Was kann man da machen? Und ich muss sagen, am Anfang ist das hart. Innovation ist immer hart am Anfang, steinig, für jeden, aber so mit der Zeit merkt man einfach, da gibt es tolle Optionen, tolle Möglichkeiten und daraus hat sich inzwischen auch ein neues Format entwickelt. Es gibt ganz viele Online Vorträge, also es ist nicht so, dass dieses Jahr ruhig ist, sondern ganz im Gegenteil und das ist eine tolle Erfahrung. Also man muss etwas daraus machen.

 

Hajo Schumacher: Das muss man einmal ganz kurz erklären für Menschen, die nicht so in unserem Metier unterwegs sind. Du oder ich, wir sind freischaffende Künstler. Wir sind letztendlich abhängig von einer Sendeanstalt, die uns in ihr Studio lädt oder lässt und du – und ich bin auch auf dem Weg – machen uns unabhängig von dieser Struktur. Das heißt, jeder Sender ist ein Empfänger und umgekehrt, das gilt jetzt auch. Du bist inzwischen YouTuber mit YouTube-Channel, ich hab schon bei dir mit meiner Frau einen Podcast aufgezeichnet.  Du kannst dich jetzt zum Beispiel auch für Vorträge zuschalten und das ist nicht so eine ruckelige Geschichte, sondern du knallst da Animationen und Filmchen und weiß der Geier was rein. Was früher nur analog ging, kriegst du digital hin. Sensationell.

 

Ranga Yogeshwar: Ich glaube, das ist genau der große Unterschied. Also ich symbolisiere es, ich kann ja mit meinem Studio spielen. Schau mal hier, das ist sozusagen die alte Denke. Das war genau das, was du beschrieben hast. Es gab den Sender, die vielen Empfänger, die Zuschauer, die Hörer. Das Wort selbst impliziert ja eine gewisse Passivität. Und genau das hat sich verändert. Wir leben heute in einer Welt, bei der wir vernetzt sind und bei der genau dieses Miteinander eine völlig neue Dimension bekommen hat. Das ist natürlich beängstigend für die Old School, wenn man so will, aber es ist auf der anderen Seite genau das Geniale, nämlich diese großartige Freiheit, die heute jeder von uns hat.

 

Hajo Schumacher: Und du hast mit den technischen Möglichkeiten, deine Frau spricht manchmal von Spielereien, hast du etwas vorbereitet, was wir jetzt gleich einmal ausprobieren wollen. Dazu brauchen alle, die sich jetzt zugeschaltet haben, erstmal ihr Smartphone griffbereit, aber das ist ja eh ein Körperteil. Das hat ja jeder bei sich.

 

Ranga Yogeshwar: Ja, es geht ganz konkret, Hajo, eigentlich genau um diese Situation, die uns in diesen Wochen ständig bekümmert. Ich zeige dir einfach mal die aktuellen Daten, gerade eben abgerufen von Johns Hopkins. Wir haben diese Corona-Pandemie, aber wir haben alle erfahren, es gibt jetzt neue Möglichkeiten dadurch, dass es Impfstoffe gibt. Wir haben gehört von Biontech und Pfizer, wir haben gehört von Moderna, und inzwischen kommen sie so langsam alle und sagen, da geht möglicherweise was. Und das Spannende ist, werden wir diesen Weg gemeinsam einschlagen? Und ich habe in der Tat eine Frage, die ich jetzt an das Auditorium stellen möchte. Damit Sie alle mitmachen können, nehmen Sie Ihr Smartphone und schalten Sie die Kamera ein und gehen Sie auf den QR Code. Wenn aus irgendwelchen Gründen Ihr Smartphone das nicht kann, können Sie natürlich auch einfach auf die Website www.menti.com gehen und dann den Code eingeben. Meine erste Frage ist: Würden Sie sich gegen Covid impfen lassen? Ich habe drei Optionen, die erste ist nein, die zweite ich bin noch unsicher, die dritte Fraktion sagt, auf jeden Fall.

 

Hajo Schumacher: Was wir da gerade sehen, Ranga nur zum Verständnis, was wir da gerade sehen, die drei Balken ist unsere Live-Abstimmung aus diesem Video-Call.

 

Ranga Yogeshwar: Ja, genau, das ist das was jetzt gerade live reinkommt. Also wenn man genau hinschaut, sieht man auch die Zahl der Votes, die steigt, im Moment sind es 14, also das ist für einen Physiker nicht statistisch repräsentativ, aber ich habe das schon gemacht mit über 1000, dann ist das wirklich ziemlich aussagekräftig. Dann merkt man im Grunde genommen Trends. Und wir zeigen uns hier zusammen, das ist ja das Magische, nun ja, da gibt es durchaus eine Fraktion, und zwar die Mehrheit, die sagt ja, aber wenn ich das mal zusammenzählen, sieben Stimmen gegen acht, die sagen, vielleicht nicht sofort, sondern zu einem späteren Zeitpunkt. Und das ist sehr spannend. Warum? Weil wir uns natürlich überlegen müssen, wie beenden wir diese Pandemie. Und in diesem Zusammenhang, wenn du erlaubst, schicke ich direkt eine zweite Frage. Also Sie brauchen jetzt nur auf Ihr Smartphone zu gucken, dann sehen Sie die zweite Frage auch eingeblendet. Wann haben wir die Pandemie überwunden? Also in welchem Jahr haben wir das Gefühl, jetzt machen wir alle Party und feiern. Wird das nächstes Jahr sein? Wird das ein Jahr später sein? Wird das vielleicht erst in fünf Jahren sein? Ich habe mal den Korridor bis 2025 gesetzt. Inzwischen haben auch da in unserer kleinen Runde 15 Leute abgestimmt uns sagen so ungefähr 2022. Und auch das finde ich sehr spannend, weil es uns im Grunde genommen etwas klar macht. Während die Politik ständig sagt, jetzt haben wir den Impfstoff und suggeriert, es würde jetzt schnell gehen, finde ich es eigentlich sehr schön, dass zumindest aufgeklärte Menschen, wie man hier sehen kann ein sehr realistisches Bild haben und sagen, nicht nächstes, sondern wenn überhaupt übernächstes Jahr, werden wir in eine Normalität zurückkehren.

 

Hajo Schumacher: Ganz kurz an den Experten Ranga Yogeshwar. Als ich das letzte Mal bei dir war, war ganz verrückt, hast du am Tag vorher mit Christian Drosten geredet und am Tag danach mit Henrik Streeck und zwischendurch kam auch mal Karl Lauterbach vorbei. Also du bist so eine Art Schaltstelle der deutschen Virologen. 

 

Ranga Yogeshwar: Also Schaltstelle nicht, aber im Hintergrund, also im Stealth Mode, läuft da sehr viel Kommunikation, auch sehr viel tiefere Kommunikation, denn es geht ja auch darum, wenn du jetzt die Nachricht hörst, da gibt es einen Impfstoff und der hat eine Wirksamkeit von über 90%, dann ist es ganz wichtig, das ist ja ein Zwischenergebnis, in dieser sogenannten Phase 3 Studie, dann auch wirklich ganz genau hinzugucken und zu sagen, was ist die Aussagekraft dieser Zahl, was weiß man, was weiß man nicht? Also das Prozedere hierbei ist, gibt es Erkrankungen, und wenn es Erkrankungen gibt, dann testet man die Leute und weiß, die sind positiv oder nicht. Das heißt, ein ganz einfaches Beispiel, man weiß momentan noch nicht, bei all diesen drei Studien, die publiziert wurden, ob möglicherweise immer noch positiv sind, aber keine Symptome haben. Die Welt ist blöderweise manchmal nicht so trivial, wie wir denken. Aber ich komme nochmal zurück auf das Kernthema, das wir haben. Nämlich, was macht das mit uns? Wir erinnern uns, Scholz sagte ja irgendwann „die neue Normalität“, die natürlich an einigen Stellen total blöd ist. Wir sehen uns beispielsweise am Donnerstag und werden uns vorher testen lassen, damit wir nah beieinander sein können. Aber das Absurde ist, es hat sich ja auch sehr viel verändert in der Welt. Denke an online als Beispiel, denke an Home Office, denke an das was wir jetzt gerade machen. Und auch da würde mich etwas interessieren. Ich habe es schon eingeblendet und manche haben schon auf ihr Smartphone geguckt. Wie wird es eigentlich nach der Pandemie sein? Das heißt, gibt es da Leute, die sagen, dann geht wieder alles zurück und wir fliegen wieder nach Mallorca und die Konferenzen finden wieder in den Büros statt. Oder gibt es welche, die sagen, es wird ein paar Dinge geben, die bleiben, aber ansonsten bleibt alles normal. Oder gibt es Leute, die sagen, wir sehen einen eindeutigen Trend dafür, dass im Grunde genommen die Pandemie dazu führt, dass wir am Ende im Grunde genommen in eine andere Welt eintauchen und das finde ich insofern spannend, dass nicht ein einziger sagt, wir gehen im Grunde genommen wieder zurück zum alten Modell, sondern die überwiegende Mehrheit – und das deckt sich ja auch mit dem, was ich sonst so merke – sagt sehr klar: Da werden Veränderungen bleiben oder diese Veränderungen setzen sich fort. Also wir kommen aus dieser Welt nicht mehr raus und das finde ich total spannend, weil das zentrale Thema, das mich in den vergangenen Jahren beschäftigt, ist der Wandel, ist die Veränderung. Insofern behaupte ich einfach mal, Corona ist eine Art Neudeutung dieser Veränderung. Also ich gebe die ein einfaches Beispiel, wenn du den „9 to 5“ Job hast, also wir alle kennen das, wir pendeln hin und her, ab in ein Büro, dann muss man sich mal die Frage stellen: Leute, macht das noch Sinn? In einer Stadt ein Bürogebäude zu bauen, zu dem die Mitarbeiter hinkommen, vor dem Bildschirm hocken, vielleicht ein paar Konferenzen haben und dann wieder nach Hause fahren.

 

Hajo Schumacher: Riesen-Thema hier in Berlin in der Immobilienbranche, Riesen-Thema, wo in den letzten Jahrzehnten ja Büroräume ohne Ende gebaut wurden. Jetzt geht es darum, wie können wir die anders, flexibler nutzen. Aber lieber Ranga, du hast das jetzt sehr elegant und typisch journalistisch gemacht, du hast die Fragen den anderen gestellt. Aber jetzt frage ich dich mal: Würdest du dich impfen lassen mit einem dieser neuen Impfstoffe?

 

Range Yogeshwar: Ja. Also ich würde sehr genau hingucken, das ist aber einfach eine Eigenschaft, die ich immer habe, leider Gottes, aber es ist grundsätzlich so, dass man zwei Sachen in Bezug setzen muss. Wir haben auf der einen Seite eine massive Einschränkung unserer ganz elementaren Rechte. Wir haben jetzt im Moment die große Debatte, wie wird Weihnachten aussehen, also bei uns läuft sie. Ich weiß nicht, wie Weihnachten bei dir aussieht, aber wir haben eine riesen Familie, wir haben über 20 Leute an Weihnachten. Und jetzt ist die Frage, was wird da passieren, was ändert sich in diesem Zusammenhang. Und da glaube ich, wird eine Impfung in den nächsten Jahren ganz sicher etwas tun. Das ist das Beste was wir machen können. Wir leben im Jahr 2020 also es gab auch Zeiten, wo man diese Pandemien als Strafe Gottes sah mit all den Kollateralschäden wie Pogrome, wie Hexenverbrennung und so weiter und ich finde, wir leben in einer aufgeklärten Welt, und wenn wir diese Tools haben, da gucken wir genau drauf, sehr gewissenhaft, und an dieser Stelle müssen wir sagen, die Impfstoffentwicklung war noch nie so transparent, die Daten sind wirklich offen, da kann man wirklich dahinter gucken und im Moment tun das sehr viele schlaue Leute und die wissen natürlich auch, noch schlechter als kein Impfstoff wäre zum Beispiel ein Impfstoff, der Nebenwirkungen hat, die zu einem immensen Kollateralschaden führen.

 

Hajo Schumacher: Stell dir vor, du hättest die drei jetzt zur Verfügung stehenden Impfstoffe, also von unserem heimischen Mainzer Unternehmen Biontech – Fußball spielen können wir nicht mehr, aber Impfstoffe können wir entwickeln- von AstraZeneca, das ist offenbar einer, der nicht so toll wirkt, aber dafür sehr robust ist, also nicht so tiefgekühlt werden muss, und von Moderna. 94,5% das klingt natürlich ganz sensationell. Welchen würde Ranga Yogeshwar wählen, wenn er nur einen davon zur Auswahl hätte?

 

Ranga Yogeshwar: Es geht um das Prinzip und das Prinzip ist, es handelt sich um so genannte mRNA Impfstoffe. Das ist wirklich ein ganz neues Ding. Ich will es mal kurz erklären. Der klassische Grippe-Impfstoff, da hat man einen Virus, das hat, wenn es an die Zelle andockt bestimmte Proteine, die man versucht dem Körper zu zeigen, ohne das Virus, damit der Körper Anti-Körper bildet. Bei klassischen Viren-Impfstoffen, Grippe-Viren-Impfstoffen, da nimmt man Grippe-Viren, die züchtet man hoch in Hühner-Eiern, dann tötet man sie ab, damit sie nicht mehr infektiös sind, und dann gibt man deinem Körper ein paar Bruchstücke, damit er anfängt, Antikörper zu produzieren. Das ist der klassische Weg, der hat auch großartig funktioniert, der ist auch großartig bei ganz vielen Kinderkrankheiten, wie bei Masern oder Polio. Und jetzt haben wir eine neue Qualität, einen mRNA Impfstoff. Das bedeutet, man gibt dir nicht mehr die Proteine, sondern man schleust ein kleines Stück genetischen Code in deine Zelle, deine Zelle fängt an, diese Proteine zu bauen – also, wenn du dir das vielleicht mal als Auto vorstellst, nicht das ganze Auto, sondern vielleicht nur den Rückspiegel und vorne den Kühlergrill, und das wird von den Antikörpern gelernt und erkannt und dann, wenn ein echtes Auto kommt, sprich ein echtes Virus, dann wird das erkannt und dann Attacke. Das ist ein neues Verfahren. Das ist in der Produktion gigantisch schnell, aber was man nicht weiß ist, wie spezifisch ist das. Könnte sein, dass kleine Veränderungen vorkommen und dann ein anderer Rückspiegel produziert wird. Es gibt auch da offene Fragen, das muss man ganz fair sagen. Aber du hast mir die Frage gestellt, welchen würdest du nehmen: wahrscheinlich im Moment Biontech, das könnte aber daran liegen, dass ich mehr Daten darüber habe als über das System von AstraZeneca.

 

Hajo Schumacher: Als zweite Frage hast du unsere Zuschauenden gefragt, wann sind wir durch die Pandemie durch. Da wurde, für mich ehrlich gesagt überraschend, doch eher der etwas größere Zeitraum gewählt.

 

Ranga Yogeshwar: Ja, ich kann das Ergebnis nochmal kurz einblenden.

 

Hajo Schumacher: Studio Yogeshwar zeigt uns nochmal das Voting (lacht). Aber sag mal, teilst du diese Einschätzung. Würdest du sagen, es dauert länger.

 

Ranga Yogeshwar: Ja. Also das macht keinen Spaß, wenn man das sehr offen verkündet. Es gibt ein paar Überlegungen. Wenn wir davon ausgehen, wir haben jetzt gerade über den Impfstoff gesprochen, die Zulassungen bei der FDA in den USA beziehungsweise in Europa, werden wahrscheinlich im Dezember noch erfolgen. Die Produktionspipelines sind bereits aufgebaut. Also diese Firmen haben so einen Impfstoff und haben parallel bereits die Produktionskapazitäten aufgestellt, damit man nicht sagt, jetzt ist er zugelassen, und jetzt brauchen wir wieder Monate. Bis wir das produzieren können. Dann werden wir erstmal rein quantitativ sehen, es wir dauern. Im Falle des Biontech-Impfstoffes ist das spezielle Kühlen auch noch eine Herausforderung.

 

Hajo Schumacher: Wir reden von zweistelligen Minusgraden. Nicht nur Gefrierfach.

 

Ranga Yogeshwar: Wir reden von zweistelligen Minusgraden, wir reden davon, dass dieser Impfstoff natürlich nicht in der Nachbarstadt hergestellt wird, der muss geliefert werden. Ich habe mit Freunden von DHL gesprochen, die sozusagen in der Logistik drin sind, die sagen, dass ist das größte logistische Ding, was wir je hatten. Also die Zahl der Flugzeuge auszustatten mit Kühlcontainern. Es ist so, dass Pfizer selbst so eine Kühlbox hat, die aussieht wie ein Koffer mit ein paar tausend Impfstoffen. Also das ist alles nicht trivial. In Deutschland brauchen wir die Impfzentren, da ist es so, dass Laumann, der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister geschätzt hat, man könnte 100.000 am Tag in NRW impfen. Ich bin da ein bisschen vorsichtiger. Und das zeigt ja, wenn man 40 Millionen Menschen, das wäre die Hälfte der deutschen Bevölkerung, impfen müsste, da wird rein rechnerisch eine Menge Zeit vergehen. Und dann ist das Votum, ich blende es nochmal ein. Ich denke, dass es viele Menschen gibt, die sagen werden, ich warte lieber, oder die sagen nein. Und da, das ist auch eine Botschaft, die ich an die Politik habe, mit der ich in Kontakt bin, dass sie sagen, liebe Leute, ihr müsst jetzt antizipieren, was denn passieren könnte. Wenn es im Februar ein YouTube-Video einer Frau gibt, die zittert, und die sagt, ich war vorher ganz normal, dann habe ich diesen Impfstoff bekommen und jetzt zittere ich. Dieses Video ist in keiner Weise valide, sondern es ist ein Video, bei dem wir alle gewisser Weise von den Gefühlen mitgenommen werden. Und was dann passiert, ist, dass im Grunde genommen die Falschnachrichtenkaskade sich ausbreitet. Also ich zeige dir hier nochmal diese fantastische Publikation von Sinan Aral, der damals untersucht hat, wie sich Falschnachrichten bei Twitter ausbreiten. In Gelb siehst du die Falschnachrichten, in Blau die korrekten. Sinan Arals Botschaft war, dass sich falsche Nachrichten sechs Mal schneller verbreiten als korrekte. Und jetzt stell dir mal vor, bei diesem Video würde ähnliches passieren, dann würde das dazu führen, dass es zu einem Ausbremsen oder fast einem Stopp käme, weil dann viele Leute sagen würden, ja stimmt das wirklich. Und das ist, glaube ich, etwas, das man jetzt antizipieren muss. Es geht nicht nur um den Impfstoff und die Logistik, es geht darum, wir müssen sehr gut überlegen, wie ist die Kommunikation, wie machen wir das, weltweit. Wie sorgen wir dafür, dass diese Falschnachrichten nicht etwas verändern und wir sehen im Grunde genommen schon unterschiedliche Trends. Ich zeige dir hier eine Untersuchung, die vor anderthalb Monaten von Harvard gemacht wurde. Da wurde genau die Frage gestellt, die ich jetzt gestellt habe: Wenn es einen Impfstoff gäbe, würdest du dich impfen lassen. Man sieht Deutschland, die USA und man sieht Singapur repräsentativ für die südost-asiatischen Länder. Und was man sehr deutlich sieht, in Singapur, die machen das. Der untere Balken sagt, ja, das mache ich. In Singapur deutlich mehr als 70%. Wohingegen es bei uns unter 60% ist, in den USA noch weniger. Und das zeigt ja im Grunde genommen die Herausforderung. Wir haben eine Pandemie und es ist die erste in Zeiten von Social Media und die spannende Frage wird sein, wie gehen wir mit dieser Information um. Wenn du dir die Bestseller-Listen anschaust, du als Autor musst wahrscheinlich genauso weinen wie ich, wenn Bücher wie Corona-Fehlalarm auf Platz eins sind. Ich würde mir wünschen, dass dein Buch auf Platz eins steht. Du merkst daran, wir sind trotz aller Technik, in einer fast irrationalen Gesellschaft angelangt an einigen Stellen. Und das ist glaube ich eine der wirklich großen Herausforderungen in den nächsten Jahren. Es geht also nicht nur um die Technik des Impfstoffes und die Logistik, sondern es geht dahinter darum, was passiert eigentlich momentan mit unserer Gesellschaft, mit dem Glauben an Fakten.

 

Hajo Schumacher: Liebe Zuschauende, es gibt die Chance Fragen zu stellen, auch wenn Ranga Yogeshwar eigentlich schon alle beantwortet hat mit seiner wunderbaren Digital-Show. Ich bin immer wieder fasziniert, wie schnell er mal eben hier eine Grafik und da eine Umfrage reinholt, das macht einen neidisch. Zeigt aber auch, dass Journalisten durchaus lernfähig sind, vielleicht sollte man als Voraussetzung dann eine Physiker-Ausbildung mitgebracht haben. Also wenn Sie Fragen haben, raus damit, denn wir haben nicht mehr so viel Zeit. Wir könnten jetzt über das bewegte Leben von Ranga Yogeshwar reden. Wir könnten über seine Herkunft reden, über seinen Großvater, der eine mobile Bibliothek betrieben hat, über seine luxemburgischen Wurzeln, über die Kachel vom Spaceshuttle die da hinten in seinem Regal liegt, über seinen 3D-Drucker, über den Löt-Tisch, also dieser Mann ist wirklich...Hobby-Keller war gestern, heute ist hoch-ausgerüstetes Labor. Ich weiß, wir können über ganz vieles reden, aber was mich wirklich interessiert, dieses Impfthema, du hast es gerade angesprochen, birgt unfassbar viel Sprengstoff. Ein Narrativ lautet ja, Bill Gates, Zwangsimpfung, da wird irgendwas mit uns gemacht, was wir nicht beweisen können, eine der gängigen Verschwörungstheorien. Wenn wir das mal ein, zwei Jahre weiterdenken, kann es doch gut sein, dass die Lufthansa, oder die Deutsche Bahn, oder Spiel-Casinos oder Hotels einen Impfpass verlangen. Erwartest du das?

 

Ranga Yogeshwar: Das wird in bestimmten Unternehmen passieren. Die haben ein Hausrecht, die können das. Bei den Airlines diskutiert man zum Beispiel im Moment die Option des Schnelltests.

 

Hajo Schumacher: Das hat Carsten Spohr von der Lufthansa vor ein paar Wochen bestätigt.

 

Ranga Yogeshwar: Also insofern glaube ich, dass da einiges passieren wird. Ich glaube, es geht weniger um Zwang an der Stelle, sondern es geht darum, dass wir als Weltgemeinschaft mal den Mut haben sollten, dies blöde Virus tatsächlich weltweit zu zerstören, denn wir haben ja eine Situation in Deutschland, wo wir im Vergleich zum Rest der Welt ja noch sehr gut dastehen. Es gibt ja andere Länder, wenn ich dir nochmal die aktuellen Daten zeigen darf, wo du merkst, niemand redet von Indien, wo es offiziell neun Millionen, aber wahrscheinlich noch wesentlich mehr Fälle gibt. Und du kannst dir vorstellen, eine Welt, bei der vielleicht Deutschland clean ist, der Rest aber noch immer zu ist, das wird nicht funktionieren. Wir haben das in der Vergangenheit erlebt mit Polio oder den Pocken und da gab es diese großen weltweiten Anstrengungen. Die Pocken, da war diese große WHO-Kampagne, der eine oder andere erinnert sich vielleicht. Oder bei den Pocken war es so, dass sogar Rotary International sich sehr engagiert hat und man über den Weg der Schluckimpfung Polio weltweit zunichte gemacht hat. Die große Herausforderung ist es, dass wir das bei diesem Virus schaffen. Denn es wird nicht helfen, wenn wir in Inseln der Cleanness verharren, denn wenn ich mir anschaue, wie oft ich weltweit unterwegs war, und ich sage ganz ehrlich, es wird nicht mehr ganz so häufig sein, denn manche Dinge kann man elektronisch machen, doch die Welt braucht wieder die die Freiheit der Bewegung und die wird nicht gehen, wenn wir nur lokal etwas unternehmen, das heißt, es muss eine globale Anstrengung geben.

 

Hajo Schumacher: Jürgen Bruder vom TÜV Hessen fragt, und das passt ganz gut, wie können wir soziale Medien stärker nutzen, um die richtigen Botschaften zu kommunizieren, damit Fake News nicht die Oberhand gewinnen? Ich habe mich ein ganzes Buch lang mit dieser Frage beschäftig, ich muss von meiner Seite sagen, gar nicht so leicht. Mir fällt kein Patentrezept ein.

 

Ranga Yogeshwar. Nein. Das ist gar nicht so leicht. Es gibt ja viele Botschaften, wo die EU anfängt und sagt, können wir Fake News an dieser Stelle so akzeptieren. Oder ein anderes Beispiel, ich war vor einiger Zeit in so einer Gruppe beim Bundespräsidenten, wo wir darüber diskutiert haben, brauchen wir so etwas wie eine Kuratierung, die möglicherweise mit Hilfe von KI läuft. Also KI würde anfangen, die Falschmeldungen auszufiltern. Das ist alles andere als trivial. Aber ich glaube, wir erkennen alle das Problem. Das Problem ist ja nicht nur die Falschmeldung, das Problem ist dahinter auch, das dramatische Thema von Polarisierung. Das kennen wir bei den Impfgegnern und wo man es sehr deutlich gemerkt hat, war der US-Wahlkampf. Das hängt wirklich mit genau dieser Struktur der sozialen Medien zusammen. Jeder von uns ist mit seinen Daten erfasst und wird vernetzt mit seinen Gleichdenkenden. Und was man hier sieht, ist die Vernetzung von Strukturen, die dazu führen, dass Gruppen nicht mehr miteinander reden, sondern jede Gruppe intern ihre eigene Wahrheit hat. Das haben wir genauso wie andere. Und dann kommt es eben zu diesen extremen Resonanzen, oder Echokammern, nenn es wie du willst, aber wir lernen, und das ist eben das Spannende, dass soziale Medien offenbar, und das haben wir am Anfang nicht geglaubt, wir haben gedacht, die verbinden eine Welt, und jetzt merken wir plötzlich, die haben dieses Potential zur Polarisierung und dazu den Pluralismus einer Gesellschaft geradezu wegzudrängen. Und ich glaube, da gibt es jetzt viele Debatten auch intern bei den Betreibern der sozialen Medien, die sagen, dass müssen wir richtig machen, denn wenn wir das nicht schaffen, dann knallt es. Und in dem Zusammenhang, wir führen ja ein Gespräch am kommenden Donnerstag, aber ich habe kürzlich mit Rezo darüber gesprochen, über die Macht der Influencer, kann man sich auf YouTube anschauen. Und das Spannende war, dass er als einer der bekanntesten Influencer sagt, da müssen wir was tun. Ich habe auch dort dieses Q&A verwendet wie auch jetzt, und ich habe die Community, das war natürlich eine junge, Influencer geprägte Community, gefragt, welche Medien nutzt ihr, und da waren natürlich die sozialen Medien ganz vorne. Und dann war die Frage, welchen Medien vertraut ihr, und interessanterweise waren das die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender und das war nicht bezahlt. Und Rezo hat mir erklärt, dass Fake News nicht von jungen Leuten, wie wir glauben, weitergeleitet werden, sondern eher von den Älteren, so wie wir.

 

Hajo Schumacher: Ja, das geben die Studien her. Hier noch ein weiterer Sendehinweis. Rezo hat ein neues seiner eigenen Videos hochgeladen, wo er sich auf eine sehr eindrucksvolle Art und Weise mit der Politik auseinandersetzt, mit den Regierenden und er sagt, wie kann es sein, dass Corona-Leugner bei ihren Demonstrationen keine Masken tragen, keine Abstandsregeln einhalten und der ganzen Welt zeigen, Entschuldigung, wir scheißen auf euch, und er wünscht sich als junger und alles andere als rechts orientierter Mann ein Durchgreifen der Politik, was ich sehr spannend finde. Er sagt, denen wird zu viel Platz gelassen, sich auszutoben und sie bekommen damit auch zu viel negative Vorbildwirkung. Teilst du diese Einschätzung?

 

Ranga Yogeshwar: Wenn ich ehrlich bin nicht, weil wir gerne in einer solchen Krise zur Härte tendieren und sagen, da braucht es jetzt Klarheit. Ich zeige dir einfach mal, wo diese Klarheit münden kann. Ich war letztes Jahr in Shenzhen in einem großen Kontrollzentrum der Stadt.

 

Hajo Schumacher: Moment, was wir da sehen, kontrolliert die Stadt?

 

Ranga Yogeshwar: Genau. Hier kann man sehen, wieviel Krankenhausbetten es gibt, wo der Strom ausgefallen ist, wie die U-Bahn ausgelastet ist. Und da kann man natürlich auch sehen, einiges ist super, aber einiges ist natürlich auch problematisch. Zum Beispiel nutzen sie künstliche Intelligenz beim Bauamt, um mit Bilderkennung nachzuschauen, ob etwas illegal gebaut wurde. Oder es ist eben so, dass der Einsatz der Technik bis in den letzten Winkel erfolgt und das sind eben nicht nur Videobilder, da wird permanent gescannt, da ist Totalkontrolle da. Das ist natürlich genau die Frage, die wir heute haben, weil viele sagen, guckt mal auf China, die wissen wie man es macht, da sind die Zahlen niedrig. Aber da glaube ich, nein, wir brauchen diesen europäischen Weg, wir sind anders, wir sind nicht sozusagen, Opfer einer Diktatur, die am Ende genau das tut, da bin ich skeptisch. Ich sitze in einer Jury für einen KI-Preis für junge Leute und da gab es eine Einsendung, automatisch erkennen, ob eine Person eine Maske anhat oder nicht. Das war zwar korrekt gedacht, aber stell dir den Staat vor, in dem das passiert, willst du in dem leben? Ich nicht. Und das ist eben dieser Toleranz-Korridor einer Demokratie und auch wenn einer das anders sieht, solange er nicht massiv andere gefährdet, da sind wir uns einig, muss man das aushalten. Und das ist im Grunde der Balance-Akt, den wir im Moment haben, denn jeder Politiker, der das tun würde, würde übermorgen als autoritär oder als Diktator von einem Teil der Bevölkerung beschimpft werden.

 

Hajo Schumacher: Ich habe noch zwei Fragen von unseren Zuschauern. Erstens, ganz praktisch, von Gabriele Karsten, wie beurteilen Sie die Corona-Maßnahmen-Wirksamkeit?

 

Ranga Yogeshwar: Da könnte ich jetzt ein bisschen ausholen. Ich sage mal, wir machen viele Dinge extrem konventionell. Wenn ich mir die Zettelwirtschaft angucke, wenn ich mir angucke, dass Gesundheitsämter überfordert sind, dann ist das ein bisschen so wie Rasen mähen mit der Nagelschere und jetzt setzen wir die Bundeswehr ein, damit der Rasen gemäht wird. Das ist für mich absurd, da zeigen uns andere Länder, dass wir effektiver und effizienter werden könnten. Und da ist mein Hauptproblem, dass sozusagen das Handling problematisch ist. Ich kann nur hoffen, dass der Impfprozess im Projektmanagement von A bis Z stimmt und ich erwarte, um es mal ganz ehrlich zu sagen, dass wir auch da die Daten über Nebenwirkungen zentral sammeln. Nicht um eine Überwachung zu machen, aber um sicherzustellen, dass wenn was ist, dass wir das im Blick haben. Ich denke, da müssen wir uns auch mal trauen, aber ich gehe nicht so weit, dass ich denke, dass wir ein chinesisches Modell übernehmen sollten.

 

Hajo Schumacher: Hans-Peter Kleebinder fragt, Freiheit der Bewegung, Mobilität als Grundbedürfnis und ich ergänze als Grundrecht wird weiter eingeschränkt werden müssen, auch wegen Klimawandel?

 

Ranga Yogeshwar: Also müssen ist ja immer so eine Sache, eine Welt kannst du nicht zwingen zu müssen. Ich gebe dir ein Beispiel. Wir haben bei Corona die Luft in chinesischen Städten, die war nie so gut. Also nur mal zum Vergleich, der normale Status sieht so aus. Das heißt, wir merken alle, dieser Wandel führt am Ende dazu, dass das Klima sich verbessert. Die Staudichte, konkrete Zahl in Nordrhein-Westfalen, ist um 30% gesunken, dadurch, dass viele zu Hause arbeiten, es wurde keiner gezwungen, Ich glaube, da geht es darum, dass Narrativ zu ändern und zu sagen, wir haben neue Optionen entdeckt, mehr, nicht ständig, aber mehr zu Hause zu arbeiten. Du kennst das selber, ich habe oft Beiratssitzungen wo ich morgens nach Berlin fliege wegen zwei Stunden, das ist absurd, es ist von meinem Fußabdruck absurd, es ist von meiner Lebenszeit absurd. Also ich glaube, da offen zu sein und zu sagen, da erkennen wir neue Chancen und die sind vielleicht besser.

 

Hajo Schumacher: Lieber Ranga, das ist ein wunderbares Schlusswort. Meine Damen und Herren, ich glaube Sie haben mitgekriegt, mit diesem Mann kann man erstens über alles reden und zweitens richtig lang und ausführlich und hinterher hat man immer das Gefühl, da weiß einer mehr als ich und ich nehme etwas mit nach Hause. Also ganz herzlichen Dank, lieber Ranga Yogeshwar. Ich gehe davon aus, dass Roland Vestring jetzt auch noch eine Fachfrage hat.

 

Ranga Yogeshwar: Ja, ich sage dir und den Teilnehmern Danke.