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29Jul

Hans-Dieter Hermann im Gespräch mit Hajo Schumacher

Hans-Dieter Hermann, Sport-Psychologe der Fußball-Nationalmannschaft, spricht mit Moderator Hajo Schumacher unter anderem darüber, was ein Sportpsychologe macht, wenn gerade nur sehr wenig Sport stattfindet und wie die Sportler, insbesondere Fußballer, die Corona-Krise und leere Stadien erleben.

Er gibt Tipps, wie wir die Krise gut überstehen können und wie wir mit all den Einschränkungen zurechtkommen können.

Seit vielen Jahren ist Hans-Dieter Hermann ganz dicht an der Fußball-Nationalmannschaft und gemeinsam mit Hajo Schumacher blickt er in unseren LSB Insights zurück auf die großen Erfolge und auch die Misserfolge der letzten Jahre.

 

Hajo Schumacher: Ah, da ist er. Hallo, Dr. Hans-Dieter Hermann. Wir kennen uns schon relativ lange, sehen uns aber viel zu selten. Habe ich das so richtig zusammengefasst? Ich schätze seine Arbeit sehr. Ich habe ihn ein paar Mal bei Vorträgen erlebt und er hat, was nicht alle Vortragenden so zeigen können, eine unfassbare Empathie. Nicht nur für die Menschen mit denen er arbeitet, sondern auch für das Publikum und manchmal sogar für Moderatoren, und das gibt mir ein gutes Gefühl. Lieber Hans-Dieter Hermann, bevor wir ins Biographische und all das Vergangene eintauchen: Was macht ein Sportpsychologe, wenn gerade kein Sport ist, oder relativ wenig? Ein Buch schreiben?

 

Hans-Dieter Hermann: Einen schönen guten Morgen (lacht). Zunächst mal vielen herzlichen Dank für die freundlichen Worte. Ich mache eigentlich meinen Job wie immer. Sportler kommen vorbei, ich habe an der Universität meine Vorlesungen und Seminare. Vieles hat sich ins Digitale verlagert, aber im Prinzip mache ich meinen ganz normalen Job.

 

Hajo Schumacher: Kann man sagen, dass Corona den Sportlern – ich sag mal – eine Ruhepause verschafft? Dass das vielleicht mal ganz willkommen ist, aus dem Stress auszusteigen? Oder muss man sich das eher so vorstellen wie Rennpferde, die in dieser Box vor dem Start eingepfercht sind und jetzt dringend mal wieder auf den Platz wollen?

 

Hans-Dieter Hermann: Das ist sehr unterschiedlich. Also ich erlebe beides. Also auch im Zuge der Absage, zum Beispiel der Olympischen Spiele und natürlich auch der Fußball-Europameisterschaft gab es einige, die beispielsweise vor Olympia gesagt haben: Mensch, ich hab eh noch eine Verletzung oder da ist noch was auszukurieren, mir kommt das sogar ein Stück entgegen, aber insgesamt natürlich für die meisten eine schwierige Situation. Es ging um neue Zielstellungen. Es ging im Shutdown zunächst auch darum, wie kann man trainieren? Für Leichtathleten, kann ich mit der Stadt sprechen, dass ich trotzdem ins Stadion kann, beispielsweise. Im Fußball ging es dann ja nach einiger Zeit wieder los. In anderen Sportarten war es schwieriger.

 

Hajo Schumacher: Gibt es denn Athleten, die sagen:  Das bringt es alles nicht. Jetzt habe ich vier Jahre auf Olympia hintrainiert, mein ganzes Leben, meine Ernährung, mein Privatleben, alles auf diesen Punkt hin. Ich habe die Schnauze voll. Erleben Sie welche, die aussteigen oder einfach genug haben?

 

Hans- Dieter Hermann: Nein. Ich habe davon gelesen. Aber ich selber habe das nicht erlebt. Ich weiß eben nur von Sportlern...viele leben ja in diesem olympischen Zyklus. Manche sehen dann die Olympischen Spiele als Höhepunkt, manche wollen danach aufhören, manche haben bei einer Firma angeheuert, wollen eine Ausbildung machen. Für die ist das jetzt enorm schwierig und da gab es viele individuelle Lösungen, die gefunden werden mussten, weil die wenigsten auf Olympia verzichten wollen. Das ist das größte, was sie machen können. Insofern eine schwierige Situation für viele.

 

Hajo Schumacher: Einige Hinweise an unsere Zuschauenden: Sie können jederzeit über die Chat-Funktion Fragen einspielen, die werde ich vielleicht nicht sofort stellen, aber wir kommen dann vielleicht irgendwann in die Gegend. Also je mehr Fragen ich jetzt schon habe, desto besser kann ich die einbauen. Das ist jetzt eine rein „moderative“ Bitte. Zweitens, lieber Hans-Dieter Hermann, Sportpsychologe klingt so als ob man nur diese exotischen Menschen, die da Höchstleistungen in der Arena bringen, betreut. Aber in Wirklichkeit sind Sie ja ein „Leistungserbringungsoptimier“ und-Motivationsexperte und das, was Sie tun, kann man letztendlich auf jeden Angestellten, auf jeden Freiberufler, auf jeden jungen, auf jeden älteren Menschen übertragen, die jetzt in dieser Corona-Zeit, jetzt vielleicht nicht auf dieser lebensentscheidenden, aber doch auf einer relevanten Ebene mit einer ungewohnten Situation fertig werden müssen. Was sind so Ihre Ratschläge für Angestellte, auch vielleicht für Firmenlenker, die gerade noch nicht so genau wissen, wie es weitergeht?

 

Hans-Dieter Hermann: Es ist tatsächlich eine schwierige Zeit. Vielleicht darf ich etwas korrigieren, was die Sportler anbelangt. Ich bin eigentlich der Motivationsexperte, also ich unterrichte Motivation, aber wenn Sie im Leistungssport arbeiten und jemand sagt, hey, ich brauche einen Psychologen, der mich motiviert, dann würde man vielleicht eher sagen, lassen wir es besser, es muss ja nicht sein.

 

Hajo Schumacher: Es muss schon da sein.

 

Hans-Dieter Hermann: Also bei Leistungssportlern in jedem Fall. Sonst funktioniert das Ganze nicht. Und die sehen das auch. Auch wenn so manche Trainingseinheit...

 

Hajo Schumacher: Jetzt dachte ich, ich hätte mal einen Regenmacher im Gespräch, der drei schnelle Tipps hat für „so komme ich morgens richtig heiß aus dem Bett und liefere sofort Top-Leistungen ab“. Gut, aber trotzdem, wie werden wir mit der Krise fertig, lieber Hans-Dieter Hermann?

 

Hans-Dieter Hermann: Wir brauchen vor allem zwei Dinge. Die Krise hat ja einen enormen Veränderungsdruck, es haben sich viele Dinge verändert. Manche Leute haben die Krise auch ganz bewusst genutzt, dass sie sagen, ich bin froh, dass ich aus dem Hamsterrad raus bin. Sehr viele haben viel Verunsicherung, manche haben Ängste, manche sind existentiell bedroht. Da gibt es keine Tipps für alle. Das wäre jetzt nicht seriös, wenn ich sagen würde, „machen Sie einfach eins, zwei, drei, dann klappt das schon.“ Aber zumindest will ich mal die größte Gruppe ansprechen. Ich glaube, die meisten sind in einer gewissen Weise verunsichert, weil man nicht genau weiß, wie geht es weiter. Und es gibt, glaube ich, eine sehr wichtige Geschichte, und das ist Vertrauen und Optimismus, denn das überbrückt immer die Zeiten der Unsicherheit. Wir haben nicht soviele „hard facts“ indem wir sagen können, am 1.1.21 geht es wieder los. Das heißt, wir brauchen Vertrauen in die Situation, natürlich auch Vertrauen in handelnde Personen. Und das andere Stichwort, das ist immer ein großes Thema in der Psychologie, wir brauchen Menschen um uns herum, mit denen wir uns austauschen können. Dieser sogenannte „social support“, die persönliche Unterstützung, etwas ganz Wichtiges. Und da ist egal, ob Sie DAX CEO sind oder kleiner Angestellter. Der Austausch mit anderen, wie geht es dir? Was kann man machen? Also emotional wie auch fachlich, Menschen untereinander, das ist so toll, und das war eben auch das große Problem beim Shutdown. Die wenigen Möglichkeiten, dass Menschen sich sehen und austauschen konnten. Die Digitalisierung, also die ganzen Videoformate, liefen erst an, und da haben viele Menschen sehr darunter gelitten. Ganz unabhängig vom Beruf oder von der Sportart.

 

Hajo Schumacher: Lassen Sie uns zum Fußball kommen. Wir haben jetzt in den letzten Tagen André Schürrle erlebt, der in einem großen Interview seinen Rücktritt, seinen Rückzug aus dem Profi-Fußball bekanntgegeben hat. Ich hatte so ein leichtes Déjà-Vus Erlebnis. Es klang so ein bisschen nach Per Mertesacker, der das, ich glaube, zwei Jahre vorher getan hat, und die Tonlage war sehr ähnlich. Also die Einsamkeit, die Brutalität der sofortigen Bewertung der Leistung. Eine gewisse, ich will nicht sagen Verzweiflung, aber doch eine gewisse Traurigkeit am Ende als die so Bilanz gezogen haben. Liegt das daran, dass Schürrle und Mertesacker ähnliche Typen sind, oder ist das eine Stimmung, die Sie verbreitet finden? Diese Einsamkeit im Leistungssport und der immense Druck, den natürlich auch Firmenlenker kennen.

 

Hans-Dieter Hermann: Für Sensible ist der Leistungssport schon eine besondere Herausforderung. Ich habe gerade gedacht, als Sie sagten, Sie fühlten sich erinnert, Sie erwähnen jetzt vielleicht noch Marcel Janssen, der jetzt beim HSV in verantwortlicher Position ist und auch mit 29 aufgehört hat. Ich glaube, es ist unterschiedlich gelagert. Per Mertesacker mit hoher Sensibilität, beschrieb seinen enormen Druck, den er hatte, also jedes Spiel als Angang. André Schürrle, der, ich sag mal, nicht so viel Glück hatte bei den Vereinswechseln. Also der ist einfach nicht mehr so gut in einer Gruppe aufgenommen worden.  Wenn Sie in einer tollen Mannschaft spielen und dort einen guten Austausch haben, man hat zusammen gute Erlebnisse, vielleicht sogar Erfolge, selbst jetzt in Corona Zeiten ist das ja im Fußball möglich, dann schauen Sie da vielleicht auch nochmal anders drauf. Aber ich darf Ihnen wirklich sagen, auch wenn sich das nach Jammern anhört und ich werde dafür auch manches Mal kritisiert, weil ich das sage, aber das Leben als Fußball-Profi, da denken viele Leute an Glamour und Geld. Das sind teilweise enorme Entbehrungen, das ist wirklich, was Sie auch schreiben, Sie bekommen am nächsten Tag Ihre Schulnote. Wenn es nicht gut läuft, wird Ihnen unterstellt, sie hätten keine Moral, keine Mentalität, keinen Anstand und wollten sowieso nicht. Also die wollen alle, super-gerne, jeder möchte vor seinem Publikum begeistern und es ist oft nicht leicht. Und wenn es schlecht läuft, haben auch Fußballer sehr oft nicht sehr viele Freunde und das ist dann schon eine schwierige Zeit. Ich habe da einige erlebt, ich würde sagen, der Fußball hat soviel Glück gehabt jetzt in der Corona-Zeit und die Vereine und die Spieler sind sehr dankbar, gerade auch in der Bundesliga, dass die meisten sagen würden, wir haben einen ganz guten Rhythmus hier gefunden und das Machbare eben gemacht, aber um Ihre Frage zu beantworten: Es ist nicht die Regel, aber es sind überzufällig viele, denen dieses Profi-Leben ganz schwer zu schaffen macht.

 

Hajo Schumacher: Man sieht das vielleicht nicht, aber ich bin ja auch schonen einen Tag älter. Ich habe in den letzten Jahren öfter mal gehört, dass sich Trainer oder Betreuer darüber wundern, dass die Spieler zunehmend vereinzeln in ihrem Verhalten. Die kommen vom Platz und schauen sofort auf Instagram oder Twitter oder Facebook, wie bin ich bewertet worden, was habe ich für eine Note, wie ist mein Fallrückzieher angekommen, oder mein Eigentor, was auch immer. Das heißt, das was Sie gerade mahnend positiv erwähnt haben, nämlich den sozialen Zusammenhalt, den Austausch, das Miteinander ist das weniger geworden? An dieser Stelle möchte ich einmal schnell biografisch einflechten: Sie sind Anfang der 00er Jahre bei Hoffenheim, also früher haben Sie viel Ski gemacht, Schweizer Judo-Nationalmannschaft und sowas, dann kamen Sie über Hoffenheim in den Fußball, dann kam Jürgen Klinsmann, hat Sie für das Sommermärchen verpflichtet, 2014 der WM-Titel, natürlich Höhepunkt, 2018 – ich kann mich gar nicht mehr so richtig erinnern, aber ich meine da lief es nicht so gut....

 

Hans-Dieter Hermann: Ich weiß es auch nicht mehr. Ganz komisch (schmunzelt).

 

Hajo Schumacher: Man hat so Aussetzer im Erinnern. Haben Sie den Eindruck, in diesen fast 20 Jahren, die Sie im Fußball sind, dass die Spieler auch gerade wegen digitaler, sozialer Medien vereinzelter geworden sind, einsamer geworden sind?

 

Hans-Dieter Hermann: Naja, sowohl als auch. Tatsächlich hat sich die Kabinenatmosphäre etwas verändert, weil oft noch die Handys an sind. Auf dem Platz nicht, und auch beim Rein- und Rausgehen, das ist noch so wie vorher, aber teilweise wird in der Kabine, meines Erachtens, ein bisschen zu viel auf die Handys geschaut, nicht ausschließlich, aber das gibt es schon auch. Allerdings und auf der anderen Seite würde ich sagen, viele Spieler, zum Beispiel auch die Nationalspieler, innerhalb der Nationalmannschaft , die ja jetzt über Monate nicht zusammenkam, haben relativ viel Kontakt über unsere App. Wir haben eine Mannschafts-App, und deshalb ist Austausch. Da ist wirklich „traffic“, da sind jokes, da sind Berichte, was machst du eigentlich in dieser Zeit. Insofern schaffen diese sozialen Medien eine gewisse Nähe, vor allem wenn es nicht komplett öffentlich ist. Ich bin Gott froh, dass wir diese App haben, dadurch hat die Nationalmannschaft noch stärker gelebt, als sie es sonst tun würde in einer Zeit in der man sich einfach nicht sehen kann.

 

Hajo Schumacher: Gibt es auch so Nationalspieler, die aus freien Stücken bei Ihnen anrufen und sagen „Hey, Doc mir geht es gerade nicht gut“?

 

Hans-Dieter Hermann: Ich habe immer mal wieder Austausch, natürlich auch in dieser Zeit und es gibt unterschiedliche Themen und sowas kann auch mal dabei sein.

 

Hajo Schumacher: Lassen Sie uns einmal dahin kommen, was uns natürlich alle interessiert. Wir hatten das Sommermärchen 2006, wo eine besondere Stimmung auch hier im Land herrschte. Wir hatten den WM-Titel 2014. Was waren die Erfolgsfaktoren dieser, jede für sich genommen, besonderen Mannschaften und besonderen Wochen?

 

Hans-Dieter Hermann: Die Erfolgsfaktoren 2006 waren, auch wenn er hier gerade eine schwierige Zeit hat in Deutschland, Jürgen Klinsmann hat da schon wirklich was bewegt. Das war enorm und das hat gewirkt bis 2014. Joachim Löw sagte nach den WM-Titel nicht umsonst: Ohne Jürgen Klinsmann 2004, kein WM-Titel 2014. Er hat eine Euphorie entfacht, er hat gesagt, Deutschland muss internationaler werden, freut euch auf das. Und die Erwartungen waren nicht so hoch insgesamt, aber ich finde die Bevölkerung war toll eingestellt. Ich finde, 2006 war ein Publikumserfolg. Die Mannschaft hat sich tragen lassen, sie war begeistert von diesem Publikum., Es war wirklich eine Freude. Ich habe die Spieler erlebt, die haben teilweise mit ihren Handys aus den Hotels heraus das Publikum fotografiert, das Tag und Nacht da war und die Spieler gefeiert hat. Das war wirklich eine Freude, da dabei zu sein. Ich würde sagen, das Publikum hat die Mannschaft getragen und man hat irgendwie gemerkt, hier gibt es ein Momentum, lass uns das nutzen, und so hat die Mannschaft das Maximale herausgeholt und ist dritter geworden. Als wir in Stuttgart dieses Spiel um den dritten Platz hatten, ist uns gar nicht mehr eingefallen, dass es in Berlin am nächsten Tag ein Finale gab. Es war einfach unglaublich schön.

 

Hajo Schumacher: Und das hat acht Jahre durchgetragen bis 2014?

 

Hans-Dieter Hermann: Das würde ich sagen, ja, es hat durchgetragen. Es gab natürlich starke Veränderungen. Es gab Veränderungen in der Mannschaftshierarchie, die stärkste Veränderung war sicher, dass Michael Ballack 2010 nicht dabei sein konnte durch eine Verletzung. Und eine neue Generation, nämlich die Spieler, die 2009 Europameister mit der U21 wurden, waren dann Stammspieler der Nationalmannschaft. Also Stichwort Thomas Müller, Manuel Neuer, Mesut Özil. Sie kamen da rein und haben dann auch den Stamm der Mannschaft geprägt. Mit einer minimalen Delle 2012 bei der Europameisterschaft, wo im Halbfinale Schluss war und 2014 habe ich etwas erlebt, das war für mich schon faszinierend. Jeder – und das sind ja schon viele Alphatiere in so einer Nationalmannschaft – jeder hat sich zurückgenommen für diese Mannschaft und dann hat die internationale Sportpresse die Mannschaft „La Mannschaft“ genannt und dadurch entstand dann dieser Name, weil sie merkten, die haben keinen Star, der alles für sie richtet, aber die sind füreinander da. Und ich würde noch weitergehen, ich habe in diesen – wir waren acht Wochen zusammen bis zum Finale – ich habe 23 Spieler erlebt, die zu dieser Mannschaft gehörten und das ist vielleicht auch der Übertrag – sorry für die Länge meines Beitrages gerade – aber der Übertrag in Unternehmen: auch die Ersatzspieler, die fast niemand gesehen hat, haben unglaubliches geleistet. Im Training gepusht und gemacht. Nur deshalb war dieser Erfolg der ersten 11 bis 14, die immer spielen, möglich, weil auch die Ersatzspieler sich enorm eingebracht haben. Und in Zeiten, in denen man schon langsam nicht mehr trainieren mag, weil es schon so lange geht und man auch langsam keine Kraft mehr hat, haben sie nochmal den letzten Push gegeben. Das war schon beeindruckend. Auch von der Führungsseite her, die diese Ersatzspieler, die diese Befriedigung, dass sie auf dem Platz sind, gar nicht haben, gut bei der Stange gehalten haben. Also das war eine tolle Mischung, ein echter Mannschaftserfolg. 2006 also publikumsgetragen, 2014 ein echter Mannschaftserfolg.

 

Hajo Schumacher: So und jetzt kommen wir in die etwas düsteren Teile der jüngeren Vergangenheit, nämlich 2018...

 

Hans-Dieter Hermann: Herr Schumacher, Sie haben 2017 vergessen....

 

Hajo Schumacher: Moment, Moment, da wollte ich gerade total elegant hin. Da hat ja die Mannschaft, die nicht mehr DIE Mannschaft war, beim Confed Cup geliefert, ohne dass es jemand so erwartet hätte. Es waren ja eher so die Nachwuchsspieler, die 2017 auf eine bezaubernde, selbstverständliche Art und Weise die Regie übernommen haben. Und dann kamen 2018 doch wieder überwiegend – ich sag mal die Silberrücken- zum Zuge. Vielleicht kennt man das auch in Unternehmen, in Redaktionen kennt man das ganz bestimmt: Da hat man so die jungen Wilden, von denen man sich so denkt, die können es eigentlich, aber wir gehen auf Nummer sicher und nehmen die Alten. Das ist ja im richtigen Leben, ich sag mal, nicht ganz ungewöhnlich. Haben Sie das auch so empfunden? Oder habe ich die Situation jetzt überhaupt richtig beschrieben? Dass es eigentlich zwei Mannschaften gab 2018?

 

Hans-Dieter Hermann: Ja, aber ohne, dass man es so innerhalb der Mannschaft gemerkt hätte. Das war tatsächlich ein enormer Erfolg mit den Rookies, die 2017 geliefert haben. Dazu muss man sagen, die deutsche U21 Nationalmannschaft wurde auch noch Europameister 2017.

 

Hajo Schumacher: Mit Horst Hrubesch, oder?

 

Hans-Dieter Hermann: Ja, genau. Die internationale Sportpresse hat noch im April 2018, nachdem auch gute Länderspiele waren, geschrieben: Die Deutschen sind Weltmeister amtierend, die sind Confed Cup-Sieger, die sind Jugend-Europameister, wer soll die denn schlagen? Und da kann sich auch was im Hinterkopf mal festsetzen, dass man denkt, wenn man das so hört: „ja, wer kann uns eigentlich schlagen?“. Und dann ist man es selbst. Und das ist tatsächlich dann auch passiert. Manche Dinge haben dann nicht gematcht, es waren tatsächlich viele Spieler, übrigens in einem hervorragenden Alter und Leistungsniveau von 2014 noch dabei und einige von 2017, und das war noch nicht das Team, das sich da gefunden hatte. Das ist auch oft nicht so leicht. In so einem Länderspieljahr, da machen sie, zum Beispiel 2017, macht man im November nochmal ein Länderspiel, dann hat man nochmal zwei Länderspiele im März, und im Mai wird dann die Mannschaft zusammengestellt für die Europameisterschaft. Man sieht sich kaum. Die Vereine haben die Champions League und andere Dinge, das heißt das ist dann immer schon, ich will nicht sagen Wundertüte, aber man kann es nicht entwickeln als Bundestrainer. Man kommt dann zusammen in diesem Vorbereitungstrainingslager und es lief nicht so ganz rund, das hat man gespürt, aber man hat trotzdem eine enorme Motivation gespürt. Die Spieler, das darf ich wirklich aus ganzem Herzen sagen, haben gesagt, wow, zwei Mal Weltmeister werden, wir wären unsterblich. Ja, das war schon getragen von viel Motivation und einem großen Gedanken, wir können hier nochmal was Großes leisten. Und dann haben die Bausteine nicht zusammengepasst.

 

Hajo Schumacher: Was waren so die kleinen Indizien, an denen Sie, die ja nun die Truppe wirklich lange kennen, gemerkt haben, huch, hier knirscht es? Gibt es da so kleine Anzeichen?

 

Hans-Dieter Hermann: Es gab in den Jahren davor, auch in 2014, auch im Vorfeld der WM gab es viele Schlagzeilen, was bei uns nicht rund läuft. Und das gab es 2018 auch und das hat dann tatsächlich mehr Raum eingenommen. Die Details lassen wir im Moment mal weg, aber in der Vorbereitung...

 

Hajo Schumacher: Ganz kurz: die Özil-Debatte zum Beispiel würde ich nicht gerne weglassen, weil die soviel auch über dieses Land gesagt hat. Also man musste ja offenbar der Hälfte unserer Mitbürger erklären, dass man Özil heißen und trotzdem Deutscher sein kann. Ich hatte das Gefühl, es gab auf einmal ein so ganz komisches Misstrauen gegen diese Truppe. Wir erinnern uns, es waren, nein es waren noch nicht die Pegida-Zeiten, aber es grummelte so etwas im Lande. So etwas überträgt sich auf eine Mannschaft, oder?

 

Hans-Dieter Hermann: Man ist schon ein bisschen im eigenen Kosmos in so einem Trainingslager, aber klar, die Kanäle sind alle offen, man kriegt es mit, die Dinge wurden auch schon innerhalb der Mannschaft diskutiert. Mesut Özil, das fand ich auch so unglücklich, was er geschrieben hat nach seinem Rücktritt, denn er war immer hoch angesehen innerhalb der Mannschaft, er ist ein genialer Fußballer gewesen und ein Spinner (lacht). Er ist ein ganz eigener Typ, sicherlich nie der Typ Mannschaftskapitän gewesen, aber hoch akzeptiert. Da war manches schon verblüffend, was er geschrieben hat, manches habe ich aber auch verstanden, weil ich selber erlebt habe, wie er nach guten Länderspielen aus dem Publikum heraus beschimpft wurde, nachdem er sein Trikot reingeworfen hatte, nachdem die Leute gerufen haben, sie hätten es gerne. Also da gab es manchmal für ihn auch wirklich schwierige Zeiten. Trotzdem diese Twitter Nachrichten, oder warum er es veröffentlicht hat in dieser Form, ich glaube da hat er zum Teil die falschen Worte erwischt. Tatsächlich gab es ein wenig dieser Diskussion. Aber mein Alarmzeichen war, als wir in Best-Besetzung in einem Vorbereitungsspiel, das sagt normalweise nicht soviel aus, aber wir haben gegen Saudi-Arabien 2:1 gewonnen in Köln. Und da hat man gemerkt, wow, überraschenderweise, wir dachten eigentlich, die Dinge würden sich fügen nach so einem Trainingslager, und die Dinge haben sich nicht gefügt. Und das war natürlich schon so ein Moment, wo wir gesagt haben, hoppla, wo kann man korrigieren, was ist schiefgelaufen.

 

Hajo Schumacher: Und dann kommt der Bundestrainer Jogi Löw und sagt, Hans-Dieter du musst mir helfen, hier läuft irgendwas nicht rund. Also es ist ja wahrscheinlich verschiedenes, da läuft die öffentliche Debatte, Teile der Mannschaft funktionieren nicht so wie sie sollten, vielleicht haben auch nicht alle den Kopf frei, es sind ja so verschiedene Faktoren, es wird ja so ein Durcheinander auf einmal, oder?

 

Hans-Dieter Hermann: Das könnte man meinen, aber so war es sicherlich nicht. Zum einen geht man oft im Fußball davon aus, ach, das Spiel, da sagen wir jetzt, ich mach nicht so viel, und wenn wir erstmal im Turnier sind...

 

Hajo Schumacher: Jaja, wir sind eine Turniermannschaft.

 

Hans-Dieter Hermann: So war das auch 2014. Das musste erst das Algerien-Spiel kommen, bis man so den ganz großen Sprung als Mannschaft gemacht hat. Mit sowas hält man sich dann über Wasser und sagt, wir haben doch wirklich gute Leute, die wollen das und glaubt vielleicht auch selbst nicht so, was man gerade gesehen hat. Also der Satz von Jogi Löw kam noch nie, der kam auch da nicht, denn man war davon überzeugt, dass wird sich sicherlich noch richten bis zur WM.

 

Hajo Schumacher: Ein Blick in die aktuelle Nationalmannschaft, lieber Hans-Dieter Hermann. War das jetzt eigentlich gut, dass diese Europameisterschaft ausgefallen ist, um noch einmal ein bisschen kreative Pause zu haben? Oder hätte das der Mannschaft jetzt gut getan sich jetzt praktisch zu bewähren?

 

Hans-Dieter Hermann: Das ist in erster Linie unheimlich schade, dass die Europameisterschaft nicht stattfinden konnte. Aber wenn Sie sich diesen Gesamtkontext dieser Pandemie anschauen, die Dinge hätten ja nicht gepasst. Vieles war ja auf Sparflamme und seltsam. In erster Linie ist es einfach schade um alle Veranstaltungen, die jetzt ausgefallen sind, auch für die Olympischen Spiele. Für die Entwicklung der Mannschaft, ich glaube, sie war jetzt auf einem guten Weg. Sicherlich noch etwas im Umbruch gerade, auch dadurch, dass klar war, dass einige der älteren Spieler dann nicht mehr dabei sind. Es wäre spannend gewesen und ich wäre auch mit viel Optimismus reingegangen, aber jetzt ist es so, wie es ist. Und wie vorhin schon erwähnt, der Fußball hat ja trotzdem seine Bühne bekommen auf Vereinsebene, insofern sagen viele im Fußball ohnehin Dankeschön, dass das möglich ist.

 

Hajo Schumacher: Wie ist das für die Spieler eigentlich in diesen verordneten Geisterspielen? Also manchmal kriegen wir ja von den Fernsehanbietern noch so Applaus oder Torjubel eingespielt, so ein bisschen wie bei einer schlechten Sitcom. Was macht das mit den Spielern in leeren Stadien anzutreten?

 

Hans-Dieter Hermann: Es ist ungewohnt für die Spieler. Vor allem das Drumherum ist ungewohnt. Also da sind ja diese Quarantäne Zeiten, diese Tests, also man ist schon sehr isoliert, gerade auch bei einem Auswärtsspiel. Also die Umstände drum herum sind schwierig und ungewohnt. Auf dem Platz selbst haben wir ja teilweise hervorragende Leistungen gesehen. Also nehmen wir mal den deutschen Meister Bayern München, wenn Sie sich die Werte anschauen, das war nicht schlechter als sonst. Die Spieler selbst sagen, mir fehlt der Resonanzkasten, mit fehlen die Geräusche, mir fehlt das Publikum, ich möchte auch mit dem Publikum feiern. Was sie allerdings kennen, auch aus Testspielen gerade auch so im Winter-Trainingslager spielen oft auch die Mannschaften gegen andere hochkarätige Mannschaften ohne Publikum, also das gibt es schon, insofern ist es nicht ganz fremd. Aber allen fehlt die Atmosphäre, aber sie sind professionell genug, vor allem für die Mannschaften, die stark besetzt sind, wenn sie im Kopf drin sind, in der Aktion fehlt ihnen nichts, aber drum herum da fehlt einiges.

 

Hajo Schumacher: Ich möchte noch einmal kurz die Runde aller Zuschauenden ermutigen, wenn es Fragen an Hans-Dieter Hermann gibt, nur raus damit, wir sind jetzt nicht mehr rasend lange online. Was mich interessiert, ist die Zeit nach Corona, von der wir alle noch gar nicht wissen, wann das sein wird. Erstmal gibt es wahrscheinlich noch eine längere Zeit mit Corona. Was macht diese Pandemie mit den Sportlern, erstens, und zweitens mit uns. Es gibt ja verschiedene Szenarien, die einen sagen, wir werden bewusster, vielleicht nicht mehr soviel in Urlaub fahren, ein bisschen mehr auf die Umwelt oder uns selbst achten. Die anderen sagen, wir müssen jetzt mal richtig durchstarten, damit wir die Wirtschaftsleistung von früher wieder hinkriegen. Haben Sie das Gefühl, wir kommen so ein bisschen ins Nachdenken, auch im Leistungssport oder muss dieses sagenumwobene Früher so schnell wie möglich wieder her?

 

Hans-Dieter Hermann: Also, wenn wir jetzt mal so ein bisschen außerhalb des Fußballs schauen, viele hoffen doch sehr, wir haben jetzt demnächst die deutschen Leichtathletik-Meisterschaften Anfang August in Braunschweig. Also viele hoffen, dass es möglichst viel Normalität wieder gibt im Sinne von Wettkämpfen, weil das ist schon die Motivation im Leistungssport, dass man irgendwann abliefert, dass man sich misst, man kann nicht nur trainieren. Aber für eine gewisse Zeit haben sich natürlich viele arrangiert, auch wenn diese Saison von vielen als Übergang gesehen wird und alle hoffen auf 2021. Alle, die im Sport sind, haben die großen Ziele verlagert auf das nächste Jahr.

 

Hajo Schumacher: Kann man das auf unser Privatleben übertragen? Dass wir einfach mal die Füße ein bisschen stillhalten, diesen Moment der erzwungenen Kontemplation wertschätzen, wahrnehmen, nutzen und uns einfach ein bisschen ausruhen und dann wie normal weitermachen?

 

Hans-Dieter Hermann: Das ist leicht gesagt. Viele nutzen tatsächlich diese Zeit, die einigermaßen gesichert sind aus beruflichen Gründen, die keine Existenzängste haben. Viele haben gesagt, Familie, ich habe im Garten Dinge gemacht, ich kam zu Sachen, ich war viel zu stark im Hamsterrad und komme jetzt runter, das war wichtig für mich und da nehme ich auch was mit für die Zukunft, ich will daraus lernen. Für ganz viele Menschen ist es eine enorme Bedrohung, wir haben über existentielle Ängste gesprochen. Und dann ist das eine ganz andere Geschichte. Denen zu sagen, du nutze doch die Zeit mal ein bisschen für dich. Insofern muss man genau hinschauen, wo steht jemand, welche Möglichkeiten hat er, in welcher Lebensphase ist er gerade, welchen wirtschaftlichen Hintergrund hat er? Und da hoffe ich nach wie vor auf sehr viel Solidarität von anderen Menschen, dass die nicht vergessen werden, die jetzt nicht gerade wieder so starten können. Es gibt fast so zwei Gruppen, manche starten, andere verharren eher, oder können im Moment nichts machen. Diese Menschen sind mit sehr viel Sorge belegt und wir sollten da auch ein Auge darauf haben, dass wir jetzt auch einige nicht verlieren. Ich würde das gerne erwähnen, weil das für mich auch ein tolles Zeichen war. Mehrere Nationalspieler, auch die Fußball-Nationalmannschaft, mit denen hat das auch etwas gemacht. Noch im April gab es 2,5 Millionen Soforthilfe direkt von den Spielern der Nationalmannschaft. Joshua Kimmich und Leon Goretzka haben noch einmal eine erhebliche Summe in Projekte gespendet. Es ging um Sachen wie zum Beispiel bei der Nationalmannschaft, „bleibt zu Hause“ und sie haben sich gefragt was machen denn die Menschen, die kein Zuhause haben, und haben deshalb in die Wohnungslosenhilfe einiges gesteckt. Also ich wünsche mir diese Solidarität und auch, dass wir darauf gucken innerhalb der Unternehmen. Was ist eigentlich mit den Leuten, die gerade eventuell etwas abgehängt sind. Da kommt man dann auch auf das Thema Führung. Wir lernen jetzt auch „digital leadership“, also Führungskräfte müssen auch digital führen können. Und auf der anderen Seite gleichzeitig mit möglichst vielen Menschen, die ihnen zuarbeiten, auch einen persönlichen Kontakt haben. Und diese Mischung aus Digitales nutzen, aber trotzdem persönlichen Kontakt zu halten, das scheint mir ein ganz wesentlicher Schlüssel zu sein, den auch die Trainer im Sport in diesen Zeiten mir ihren Athleten aufrecht erhalten, und die denen auch gut tun.

 

Hajo Schumacher: Was können Führungskräfte jetzt ganz allgemein in Unternehmen tun, um diese Existanz- und Zukunftsängste zumindest mal zu lindern. Sie haben von Vertrauen und Optimismus geredet. Das klingt immer so einfach, das muss man ja auch irgendwie überzeugend vorleben. Gibt es da so ein paar Grundsätze, die man als Führungskraft beachten sollte?

 

Hans-Dieter Hermann: Ja, das ist wahr. Die zwei Dinge, die ich gerade gesagt habe: Ansprechbar sein, den Kontakt suchen mit Menschen, mit denen man direkt zu tun hat, in Kontakt bleiben auch wenn man sich nicht sieht und auch immer mal schauen, wie können wir miteinander sprechen, vielleicht gibt es das ein oder andere physische auch. Und eben auch zeigen, was steht als nächstes an, wie gehen wir vor. Heute ist vielleicht die Situation schwierig, das ist unser nächster Schritt, den wir machen. Ich halte dich auf dem Laufenden, damit die Unsicherheit nicht stärker wird. Und hier ist eben Kommunikation die Schlüsseldisziplin und da darf dann auch möglichst keiner verloren gehen.

 

Hajo Schumacher: Letzte Frage, weil wir ja trotz aller Rückschläge im deutschen Fußball einen haben, der unseren Weltruhm in letzter Zeit aufrechterhalten und sogar gemehrt hat: Jürgen Klopp. Da hat man den Eindruck, der hat schon den Hans-Dieter Hermann eingebaut. Da muss man ja kein Motivationskünstler mehr sein, den guckt man einfach nur 30 Sekunden an und das ist die Fackel, die an vier Enden brennt. Erklären Sie einmal kurz das Phänomen Klopp und wie werde ich auch so.

 

Hans-Dieter Hermann: (lacht) Ja, der ist ein echtes Naturtalent. Er hat diese enorme Begeisterungsfähigkeit. Und das Tolle ist aber auch, und das merkt man ja manchmal auch in der Öffentlichkeit, wenn er sich korrigiert, wenn er sagt, ich habe die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen. Er hat mal so schön in einem Buch gesagt „Ich habe 0,0 Ambitionen meinen Anteil an der Geschichte zu überschätzen. Ich versuche Bedingungen zu schaffen, damit andere ihre Leistung bringen können....

 

Hajo Schumacher: Achja, so Mutter Theresa....

 

Hans-Dieter Hermann: Von ihm gibt es köstliche Sätze. Zum Beispiel schreibt er, nachdem er Deutscher Meister und Pokalsieger geworden ist, er sagt, sie haben die Nacht durchgefeiert, aber morgens musste er dann im Regen mit dem Hund raus, weil es dem gar nicht gut ging. Und er hat gesagt, das erdet einem ganz schnell wieder. Das ist wirklich schön. Bei ihm merkt man die 100%ige Begeisterungsfähigkeit, die Fähigkeit Menschen auszusuchen, die ihm gut zuarbeiten, Lernfähigkeit, aber auch die Fähigkeit, wenn man daneben lag, zu sagen „sorry, das nächste Mal mache ich es anders“, solche Dinge. Und dann ein ganz hohes Maß an Authentizität und deshalb ist das für jeden, der mit ihm zu tun hat immer eine Freude. Selbst in den Zeiten als er Tabellen-Zwölfter mit Dortmund war, hat er sich das nicht nehmen lassen. Insofern ist es schon beeindruckend ihn zu erleben. Vielleicht müsste man ihm mit einem lateinischen Sprichwort, wenn es nicht Jürgen Klopp wäre, müsste man vielleicht sagen, „Jürgen, bedenke du bist sterblich“, denn es ist schon enorm, was er hier leistet. Also ich freue mich sehr für ihn, er hat es echt verdient.

 

Hajo Schumacher: Wir sind ja hier in einem sehr vertraulichen Rahmen, lieber Hans-Dieter Hermann, deswegen die Frage, unter uns, erzählt auch keiner weiter: Werden Sie unter einem Bundestrainer Jürgen Klopp weitermachen als Sportpsychologe der deutschen Nationalmannschaft?

 

Hans-Dieter Hermann: Das ist viel zu weit in die Zukunft gedacht. Also zum einen, ich weiß nicht einmal, ob Jürgen Klopp irgendwann einmal Bundestrainer wird und ich schau für mich selber auch nicht so weit. Im Moment ist es wirklich klasse mit Jogi Löw. Das ist eine Zusammenarbeit auf viel Vertrauen und Wertschätzung. Ich freue mich sehr, dass ich da dabei sein darf und ich hoffe sehr, dass auch Jogi Löw das noch lange möchte.

 

Hajo Schumacher: Dr. Hans-Dieter Hermann mit keinem klaren Dementi, so könnte man es vielleicht zusammenfassen, ob er vielleicht doch unter Jürgen Klopp weitermacht. Falls es dazu nicht kommen sollte, wenn Roland Vestring eines Tages Cheftrainer bei Preußen Münster wird, die ja unter sehr unglücklichen Umständen aus der dritten Liga abgestiegen sind, vielleicht lieber Hans-Dieter Hermann, da gibt es wirklich noch eine Menge zu tun.